Familienfest und andere Schwierigkeiten

«Meet the Parents» heisst der neueste, äusserst vergnügliche Film mit Superstar Robert De Niro um einen misstrauischen Vater, einen tollpatschigen Schwiegersohn in spe und ein desaströses Wochenende.

 

von Sandro Danilo Spadini

«Flirting with Disaster» hiess einer der grössten Erfolge des Schauspielers Ben Stiller. Darin mimt er einen ungeschickten Insektenforscher, der auf der Suche nach seinen leiblichen Eltern von einer Katastrophe in die andere schlittert. All die Turbulenzen, die der arme Stiller in dieser haarsträubenden Komödie zu erleiden hat, sind jedoch nichts im Vergleich zu dem, was ihm in Jay Roachs neuem Film «Meet the Parents» widerfährt. Was seine Figur Greg Focker an einem total verunglückten Wochenende zu erleiden hat, ist nicht bloss ein Flirt mit dem Desaster, sondern vielmehr der reinste Horror.

Ab zum Lügendetektortest

Krankenpfleger Greg begleitet seine Freundin Pam nach Hause, um bei deren traditionsbewusstem Vater Jack (Robert De Niro) um die Hand der Tochter anzuhalten. Dumm nur, dass sein designierter Schwiegervater ein misstrauischer Psychopath mit CIA-Vergangenheit ist, der vom ersten Tag an versucht, ihm das Leben zur Hölle zu machen. So muss Greg kurz nach seiner Ankunft einen Lügendetektortest absolvieren, bei dem er natürlich mit fliegenden Fahnen untergeht. Fortan verfolgt ihn Jack mit derart unbarmherzigem Psychoterror, wogegen das, was De Niro alias Max Cady in «Cape Fear» mit Nick Noltes Familie gemacht hat, wie ein netter Plausch unter alten Freuden wirkt. Es dauert etwa eine Stunde, bis die anfängliche Schadenfreude über Gregs Missgeschicke in Mitleid umschwingt. Wenn der Tolpatsch etwa von der ganzen snobistischen Familien verhöhnt wird, wünscht man sich nur noch, dass er es am Ende allen zeigt. Und wenn denn schliesslich durch Gregs Schuld auch noch die über alles geliebte Hauskatze verschwindet, fiebert man gar richtig mit dem armen Kerl mit. Es ist die gewohnt sympathische Art von Ben Stiller, der zuletzt in Edward Nortons charmanter Komödie «Keeping the Faith» zu sehen war, die eine Identifikation mit seiner Figur unumgänglich macht.

Hohe Schauspielkunst

Der Star des Films ist jedoch nicht Stiller, sondern logischerweise Robert De Niro. «Meet the Parents» mag zwar ein Film sein, der deutlich unter seinem Niveau liegt, doch besitzt der Charaktermime die seltene Gabe, aus noch so ziemlich jedem Streifen ein ganz besonderes Ereignis zu machen. Es genügt nur ein kurzer Blick oder eine unscheinbare Geste, um dem Zuschauer und vor allem Greg die latente Gewaltbereitschaft  Jacks vor Augen zu führen. Bei solch hoher Schauspielkunst verzeiht man dem unter der soliden Regie von Jay Roach («Austin Powers») gedrehten Film auch die eine oder andere etwas gar grobschlächtige Albernheit.