Wie der Hase läuft

Getragen von einem gut gelaunten Darstellerensemble und beflügelt von Witz und Charme, glückt Til Schweiger mit der Beziehungskomödie «Keinohrhasen» erneut eine überzeugende Regiearbeit.

 

von Sandro Danilo Spadini

Er ist ein verantwortungsloser Schwerenöter und sollte mal erwachsen werden, sie ist ein verbittertes Mauerblümchen und sollte mal lockerer werden: Die Personalkarten liegen in der romantischen Komödie «Keinohrhasen» bald auf dem Tisch, und sie verheissen einstweilen lediglich das über den sattsam bekannten Hindernisparcours und die übliche Saulus-Paulus-Routine ins Glücksziel führende Liebes-Lustspiel mit ebenso vertrauten Teilnehmern. Was Til Schweiger in seiner dritten Regiearbeit dieser so unspannenden Konstellation an Erfrischendem wie Ungeschliffenem in der Folge abzugewinnen vermag, verblüfft deshalb umso mehr. Der unlängst aus Hollywood zurückgekehrte deutsche Starschauspieler und Gelegenheitsregisseur hat aus seiner temporären Heimat zwar das Gespür und das Kalkül für massentaugliche Stoffe mitgebracht; seine neuste Arbeit präsentiert sich indes selbstbewusst genug, um aus den vorgefertigten Mustern, Formeln und Regeln immer wieder auszubrechen und an Stelle von flachen Typen kantige Menschen zu stellen, deren Schicksal einen in Bann zieht.

Was sich neckt, das...

Dass man am Ende ein derart inniges Verhältnis zu den Protagonisten aufgebaut haben wird, stand kurz nach dem Auftakt freilich nicht zu vermuten. Als veritabler Widerling präsentiert sich da nämlich noch der skrupellose Boulevard-Journalist Ludo (Schweiger). Nur applaudieren möchte man so denn auch der Richterin, die ihn nach einer spektakulär verunglückten Klatschgeschichtenjagd wegen «persönlicher Unreife» zu 300 Stunden Sozialarbeit in einem Kinderhort verdonnert. Daselbst trifft Ludo auf eine Randnotiz aus seiner Vergangenheit, die sich in Person der überaus unvorteilhaft gewandeten, ansonsten aber tipptopp attraktiven Hortsleiterin Anna (Nora Tschirner) präsentiert. Just diese pflegte Ludo als Kind einst zu foppen und zu necken und zu demütigen, was wohl ihm, nicht aber Anna entfallen sein mag. Sie sinnt deshalb nun auf sehr späte Rache und hat vor, ihre Position der Macht über ihren vormaligen Peiniger in allen fiesen Facetten zu nutzen. Aber um zu wissen, wie das endet mit zweien, die sich necken, muss man ja kein erfolgsverwöhnter Gräber nach Dudens Sprichwörterschatz und nicht mal Intimkenner der Filmgeschichte sein.

Der richtige Zeitpunkt

Wenngleich Schweiger sich manches von Nick Hornbys Roman «About a Boy» und dessen kongenialer Verfilmung geborgt hat, offenbaren sich auf dem Weg ins Ziel immer wieder Originalität und Einfallsreichtum – insbesondere abseits des Hauptgeschehens, wo mit Leuten wie Jürgen Vogel, Armin Rohde oder Nina Proll ein regelrechtes Who is who der deutschen Filmszene veranstaltet wird und sich vom Knuddelbären über den Klischeekauz bis zum Kotzbrocken alles Mögliche tummelt. Von dem motivierten Ensemble ein wenig beflügelt wird auch der von den wohlbekannten darstellerischen Defiziten behinderte und gewohnt hüftsteife Teamleader selbst, wiewohl dessen nachgerade penetrante Selbstinszenierung als Sexsymbol einen kaum zu tolerierenden Narzissmus verrät. Ohne Abstriche erfreulich ist demgegenüber Schweigers Schreibe und Regie. So münden seine Beobachtungen und Betrachtungen des Tuns und Wesens von Mann und Frau immer wieder in kostbare Wahrheiten und köstliche Halbwahrheiten, derweil die trauwandlerisch timingsichere Inszenierung und die farblich fein abgestimmte Bebilderung mit manchem Kabinettstückchen aufwarten. Als besonders förderlich wirkt sich zudem Schweigers Wissen darum aus, wann es genug ist. Sobald das Geschehen in gar seichtes Hollywood-Fahrwasser zu geraten droht, reisst er das Ruder rum. Sobald die Handlung ob allzu dialogintensiver Szenen zu erlahmen droht, schaltet er einen Gang höher. Und sobald die Gags ein wenig zu weit unter die Gürtellinie zu fallen drohen, reisst er sich am Riemen. Wenn man unbedingt will, soll man allenfalls rügen, dass man ob der ganzen Nuschelei gerade von Schweiger und der so kecken wie feschen Nora Tschirner bisweilen kaum was versteht. Was durchaus schade ist. Denn was sie zu sagen haben, ist meist höchst amüsant und mitunter sogar ziemlich gescheit.