Storyville

 

Dieser Politthriller aus dem Jahr 1992 ist ein geradezu erschütterndes Beispiel dafür, wie ein desinteressierter Produzent und eine stiefmütterliche Vermarktung einem zwar nicht makellosen, aber doch mit reichlich Potenzial gesegneten Film von vornherein jede Chance rauben können. Und wie dann eine solch «unglaublich bittere Erfahrung» dazu führen kann, dass ein talentierter Regisseur die Flinte ins Korn wirft und für sich beschliesst, dass er mit solcherlei dann doch lieber nicht seinen Lebensunterhalt verdienen möchte, «wenn ich von einem Haufen Piraten umgeben bin, denen ich nicht trauen kann». Der Mann, der das unlängst gesagt hat, ist Mark Frost, seines Zeichens Co-Schöpfer von «Twin Peaks» und als solcher, wie viel zu oft vergessen geht, zu mindestens gleichen Teilen wie David Lynch verantwortlich für den grössten Meilenstein der Fernsehgeschichte. Von ebendiesem David Lynch scheint sich Frost für «Storyville», den ersten und tatsächlich letzten Film, bei dem er Regie führte, ein bisschen was abgeschaut zu haben: Die düster dichte Atmosphäre, die dieses Ränkespiel um den erotischen Fehltritt des aufstrebenden Sprösslings (James Spader) einer kennedyesken politischen Dynastie aus New Orleans umgibt, gemahnt bisweilen jedenfalls an die Werke des «Zaren des Bizarren». Und mit Piper Laurie und Michael Parks waren denn auch zwei «Twin Peaks»-Granden prominent mit von der Partie.

Nichtsdestotrotz ist «Storyville» ein Stoff, der durch und durch «frostig» ist. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie rege Frosts Interesse an Politik ist, braucht man nur mal seine von heiligem Furor gegen den aktuellen Präsidenten erfüllten Twitter-Posts zu studieren. Dass es ihm die Kennedys im Speziellen angetan haben, erschliesst sich wiederum daraus, dass er einst – noch vor «Twin Peaks» – mit Lynch an einem Projekt namens «Goddess» gearbeitet hat, der Adaption eines provokanten Thesenstoffs über Marilyn Monroe, ihre Beziehung zu JFK und RFK und was Letzteres mit ihrem Tod zu tun hat. Die Handlung, das Ambiente und auch die Stimmung von «Storyville» schliesslich haben unverkennbare Parallelen zu «Chinatown», einen von Frost erklärten Lieblingsfilmen. Und auch wenn sein Erst- und Einzling sich mit einem derart mächtigen Vorbild dann also schon nicht grad zu messen vermag, hatte er doch prominente Bewunderer. Kritikerpapst Roger Ebert gab ihm 3,5 von 4 Sternen, die «Washington Post» schrieb von einem «spektakulären» Debüt und einem «bedeutenden neuen Filmemacher-Talent», und die «New York Times» lobte Frosts «beachtliche Arbeit mit seinen Darstellern». Frost selbst ist bis heute zu Recht stolz auf sein Werk, das er eher in der Nähe der Arbeiten von Sidney Lumet ansiedelt und das ihm die Chance bot, die düsteren Seiten des farbig-freudig-frohen New Orleans auszukundschaften und darin eine Familiengeschichte über generationenübergreifende Rivalität und Gier und ein von latentem Rassismus durchtränktes Kriminaldrama um Arm gegen Reich zu verorten.