Fulminant fehlbesetzt

 

Einen Star gegen seinen Typ zu besetzen, kann höchst fruchtbare Ergebnisse zeitigen. Es kann aber auch furchtbar in die Hosen gehen – wie in diesen 33 legendären Fällen. 

 

Von Sandro Danilo Spadini

 

 

 

Richard Gere in «The Jackal» (1997)

 

1997 war Richard Gere ein zwar schon ordentlich angegrauter, aber unvermindert gefragter Kandidat für die Rolle des Charmeurs in unverfänglichen Schmachtfetzen einerseits und des distinguierten Oberschichtsschnösels andererseits. Was man damals nicht so recht auf seiner Bingo-Karte hatte, war Richard Gere als IRA-Terrorist. Und das mit Recht. Denn wiewohl seine Verkörperung eines Hochpräzisionsscharfschützen nicht wirklich miserabel ist, so wird diese doch fatal torpediert von einem irischen Akzent, der für den «Irish Independent» zu den zwölf schlechtesten der Filmgeschichte zählt (Platz 7). Immerhin aber schneidet Gere in dieser Liste noch besser ab als die Kollegen Brad Pitt (5.) und Tom Cruise (1.), die für ihre gescheiterten Versuche in «The Devil’s Own» respektive «Far and Away» noch etwas geharnischtere Urteile kassieren.

 

 

 

Meg Ryan in «In the Cut» (2003)

 

Einen radikalen Imagewechsel strebte das damals schon in Richtung Abstellgleis rangierte Hollywood-Schätzchen in diesem künstlerisch ambitionierten, mit expliziten Sexszenen aufgepeppten Erotikthriller von Jane Campion an. Es sollte jedoch nichts werden mit der zweiten Karriere der Meg Ryan als ernst zu nehmende Schauspielerin. In der seelische und körperliche Freizügigkeit verlangenden Rolle einer introvertierten Englischprofessorin, die mit einem New-York-City-Cop ihr sexuelles Erwachen erlebt, vermochte sie allenfalls leidlich zu überzeugen. Dies nicht zuletzt deshalb, weil sie die Zügel am Ende nie recht aus der Hand geben konnte und sich dem Parforceritt dann doch nicht gänzlich hingeben wollte. Und so wurde nicht nur Campion für ihre etwas prätentiöse Inszenierung für das Scheitern des Projekts verantwortlich gemacht, sondern auch die missglückte Besetzung von Nicole Kidman für die Hauptrolle – zumal diese kurz zuvor eindrücklich vorgemacht hatte, wie ein Imagewechsel gelingen kann.

 

 

 

Tyler Perry in «Alex Cross» (2012)


Die Rolle des Polizeipsychologen Dr. Alex Cross aus den zahllosen Bestsellern von James Patterson hatte zuvor Morgan Freeman in zwei Filmen («Kiss the Girls», 1997, «Along Came a Spider», 2001) verkörpert; für die Neuauflage war dann der überirdisch charismatische Idris Elba vorgesehen. Zu grosse Fussstapfen für den schliesslich auserkorenen Tyler Perry, den für ziemlich Zotiges bekannten und nicht minder dafür berüchtigten afroamerikanischen Superstar. Zwar versuchte dieser redlich, dem Part die gebührende Ernsthaftigkeit angedeihen zu lassen. Doch mündete dies in einer letztlich blassen Performance in einem von Actionspezialist Rob Cohen mässig motiviert konstruierten Thriller von der Stange. Die angepeilte Fortsetzung wurde dann folgerichtig ad acta gelegt.

 

 

 

Denise Richards in «The World Is Not Enough» (1999)

Nein, niemand hat erwartet, dass man der Sexbombe (damals durfte man das noch sagen) die Rolle der Kernphysikerin Dr. Christmas Jones im 19. James-Bond-Film zu hundert Prozent abkauft. Trotzdem haben es die Macher mit dieser Blödelei etwas zu bunt getrieben. Die Quittung: zwei Nominierungen für die Goldene Himbeere und vom Branchenmagazin «Entertainment Weekly» das Verdikt «Schlechtestes Bond-Girl aller Zeiten».

 

Gregory Peck in «The Paradine Case» (1947)


Im legendären Gespräch mit François Truffaut stellte Alfred Hitchcock Jahre später gleich mal klar: «Ich denke nicht, dass Gregory Peck einen englischen Anwalt adäquat porträtieren kann.» Freilich war dem Master of Suspense das schon vor Drehbeginn des in der Londoner Oberschicht angesiedelten Gerichtsdramas bewusst. Doch in seiner letzten Zusammenarbeit mit dem meinungsstarken legendären Produzenten David O. Selznick musste er diesen Kompromiss eingehen: Statt der von ihm favorisierten Lawrence Olivier und Greta Garbo drückte der Chef den Amerikaner Gregory Peck und die Italienerin Alida Valli durch. Wer von den beiden das bessere Gespür hatte, dürfte auf der Hand liegen.

 

 

 

Sofia Coppola in «The Godfather III» (1990)


Selten hat ein Schauspielerauftritt harschere Reaktionen auf sich gezogen als jener von Sofia Coppola im dritten Teil des Mafiameisterwerks ihres Vaters Francis Ford. Mit vernichtend sind diese noch immer unzureichend beschrieben, und auch die beiden Goldenen Himbeeren als «Schlechteste Schauspielerin» und «Schlechteste Newcomerin» geben ein unvollständiges Bild ab von der Demütigung, die Coppola erfahren musste, nachdem sie die Rolle der Tochter von Don Corleone von der erkrankten Winona Ryder übernommen hatte. Das alles setzte ihr jedenfalls dermassen zu, dass sie ihre Schauspielkarriere, die sie einst im Alter von zehn Wochen im ersten Teil von «The Godfather» gestartet hatte, anschliessend für beendet erklärte – um dann freilich zu einer gefeierten und hoch dekorierten Starregisseurin zu avancieren.  

 

 

Cameron Diaz in «Gangs of New York» (2002)

 

Auch eine Golden-Globe-Nominierung als beste Nebendarstellerin kann nicht darüber hinwegtäuschen: Ihre Rolle in Martin Scorseses Epos hätte es schlicht nicht gebraucht, und Diaz hat dann recht wenig gemacht, um den Eindruck zu entkräften, sie sei rein zur besseren Vermarktung auf Drängen des Studios reingeschrieben worden. Nicht nur wirkt sie viel zu «clean» im Kontext des rauen historischen Umfelds; auch die Chemie mit Co-Star Leonardo DiCaprio ist ausbaufähig. Dass ihr irischer Akzent (der schon wieder!) nicht astrein ist, muss man ihr hingegen nicht vorwerfen. Scorsese sah in ihr eine Vertreterin einer Übergangsgeneration zwischen Einwanderern und Amerikanern.
 

 

 

Mark Wahlberg in «The Happening» (2008)

 

Ja, Mark Wahlberg ist eigentlich immer fehlbesetzt – einfach, weil er Mark Wahlberg ist. Aber selten musste man derart herzhaft lachen wie bei seiner Verkörperung eines Biologielehrers im Heldenmodus in diesem Humbug von M. Night Shyamalan. Gewisse Dialogzeilen und ihre bierernste Darbietung geniessen fast schon Kultstatus. Immerhin erwies sich Wahlberg später als einsichtig und bezeichnete sein Mitwirken in dieser Weltuntergangsfarce als Fehler.

 

 

Nicolas Cage in «Snowden» (2016)


Eine Liste mit kinotechnischen Skurrilitäten ohne Nic Cage? Nie im Leben! Die Rolle des philosophierenden CIA-Kryptologen in Oliver Stones bis dato letztem Spielfilm war ihm jedenfalls nicht eben auf den Leib geschrieben, um es gelinde auszudrücken. Eine Nominierung für die Goldene Himbeere war gleichwohl nicht angezeigt. Ein bisschen mehr Respekt, Jungs – das ist schliesslich Nic Cage, verdammt noch mal!
 

 

 

Joseph Fiennes in «Killing Me Softly» (2002) 


Zu behaupten, dass es keinen Film gebe, der durch die Anwesenheit von Joseph Fiennes nicht schlechter geworden sei, mag übertrieben hart sein. Dass er diesen ohnehin nicht eben geglückten Erotikthriller endgültig ruiniert hat, ist aber sicherlich nicht verkehrt. Auf die Idee, einen Joseph Fiennes in der Rolle eines emotional aufgewühlten Hardcore-Bergsteigers, der im Bett zum Tier wird, zu besetzen, muss man aber auch erst einmal kommen. Die Strategie «Gegen den Typ besetzen» erhält hier eine gänzlich ungeahnte neue Dimension – zumal der jüngere Bruder von Ralph abermals beweist, dass an ihm kein Lawrence Olivier verloren gegangen ist.
 

 

 

Tom Cruise in «Jack Reacher» (2012)


1,96 Meter, zwischen 95 und 113 Kilo schwer, ein Brustumfang von 130 Zentimetern: So wird der ehemalige Militärermittler aus den mittlerweile gut zweieinhalb Dutzend Krimis von Lee Child beschrieben. Das schreit bei einer Verfilmung natürlich förmlich nach… Tom Cruise! Aber okay: Abgesehen von der grotesken körperlichen Abweichung von der Romanfigur macht der Superstar hier nichts falsch und trägt den Film spielerisch mit seinem unvergleichlichen Actionhelden-Charisma. Und ausserdem markiert der überhaupt nicht üble Film den Start der so fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Cruise und Regisseur Christopher McQuarrie, die in vier fulminanten «Mission: Impossible»-Folgen gipfeln sollte.
 

 

 

Vince Vaughn in «Psycho» (1998) 

 

Über Sinn und Zweck dieser Eins-zu-eins-Neuverfilmung des Hitchcock-Klassikers liesse sich vielleicht noch debattieren, zumal auf akademischer Ebene. Aber Vince Vaughn als Norman Bates? Das ist einfach ein grosses Missverständnis. Bates ist in der Version von Anthony Perkins ein feingliedriger, schüchterner Mann, dem man nicht auf den ersten Blick die Abgründe ansieht, die sich in ihm auftun. Mit dem auf Komödien spezialisierten Vaughn bekommen wir hingegen einen bulligen Typen, der von Anfang an seine Creep-Qualitäten an den helllichten Tag legt. Wenig subtil, das Ganze. Aber Vaughn kann sich damit trösten, dass seine Partnerin Anne Heche als Janet-Leigh-Nachfolgerin in der Rolle der Marion Crane auch nicht eben eine formidable Wahl war.
 

 

 

Colin Farrell in «Alexander» (2004)


2004 stand Colin Farrell noch ziemlich am Anfang seiner Karriere. Als Shootingstar galt er damals. Und das war genau das, wonach die Macher des Epos um Regisseur Oliver Stone gesucht hatten. Freilich funktionierte das nur auf dem Papier. Für Farrell war die Erfahrung regelrecht traumatisch. Wie er fast 20 Jahre später gestand, fing er damals gar an, an seinen schauspielerischen Fähigkeiten zu zweifeln: «Ich bin einfach scheisse darin. Ich bin ein beschissener Schauspieler. Sie haben mich entlarvt.» Nun: Der befürchtete Karriereknick blieb immerhin aus, und Farrell hat seither sehr viel Wiedergutmachung für seine blasse und allzu leichtgewichtige Performance geleistet.
 

 

 

Die drei Hauptdarsteller von «The 15:17 to Paris» (2018) 


Ein filmisches Denkmal wollte Clint Eastwood den drei gottesfürchtigen amerikanischen Touristen errichten, die mit ihrem heroischen Tatendrang im August 2015 einen Terroranschlag in der Nähe von Paris verhindert hatten – und sie sollten daran mitwirken. Doch wie auch alles andere an diesem gut gemeinten, aber durch und durch amateurhaft wirkenden Film erwies es sich als fatale Fehleinschätzung, die drei sich selbst darstellen zu lassen. Ihr Spiel ist erwartungsgemäss dermassen hölzern, dass man bisweilen den Blick peinlich berührt nur noch abwenden möchte. Statt einer Reverenz hat Eastwood seinen Helden letztlich also einen Bärendienst erwiesen.
 

 

 

Frank Langella in «Frost/Nixon» (2008)

 

Philip Baker Hall, Dan Hedaya, Kevin Spacey und über allen natürlich Anthony Hopkins: Sie alle haben den 37. Präsidenten der Vereinigten Staaten dargestellt – und das jeder auf seine Weise überaus überzeugend. Frank Langella gelang das derweil nicht. Zwar liefert er eine ausgezeichnete Leistung ab, die ihm prompt eine Oscar-Nominierung einbrachte – nur leider erinnert nichts daran an Richard Nixon. Zu seiner Verteidigung sei indes nicht unterschlagen, dass das immer noch um Längen besser ist als das, was John Cusack in Lee Daniels ohnehin bizarr besetzter Präsidentenrevue «The Butler» in derselben Rolle gezeigt hat. (Ebendort zu sehen: Robin Williams als Dwight Eisenhower, Liev Schreiber als Lyndon B. Johnson und Alan Rickman als Ronald Reagan – das nur so nebenbei).
 

 

 

Ashton Kutcher in «Jobs» (2013)


Sogar Apple-Mitgründer Steve Wozniak meldete sich, um Kutcher für seine wenig komplexe Darstellung zu kritisieren. Abgesehen von einer gewissen körperlichen Ähnlichkeit steuerte der Beau nichts bei, was den ohnehin arg mittelmässigen Film nachdrücklich verbessert hätte, und blieb so letztlich den Gegenbeweis schuldig, kein schauspielerisches Leichtgewicht zu sein.
 

 

 

Brad Pitt in «Seven Years in Tibet» (1997)


Letztlich stand ihm wohl einfach seine Starpower im Weg, um den umstrittenen und egozentrischen österreichischen Bergsteiger Heinrich Harrer glaubwürdig verkörpern zu können. Das und sein gutes Aussehen, das selbst nach den schlimmsten Entbehrungen und höchsten körperlichen Anstrengungen null Komma null zu leiden scheint. Freilich: Den Akzent hat der fesche Brad auch nicht besonders souverän gemeistert, und um die charakterlichen Widersprüche dieses unperfekten Helden sichtbar zu machen, war er damals wohl einfach noch zu jung und unerfahren.
 

 

 

Jamie Dornan in «Fifty Shades of Grey» (2015) 


Steif war in der von manchen sehnsüchtig erwarteten Verfilmung des Erotikbestsellers vor allem die Performance des Nordiren. Dass zudem nicht einmal Spurenelemente von Chemie zwischen ihm und Co-Star Dakota Johnson ausfindig zu machen waren, liess das Ganze dann auch nicht besonders sexy knistern.
 

 

 

Conor McGregor in «Road House» (2024) 


Dieser Flop ist zwar noch jüngeren Datums, doch es lässt sich schon jetzt mit absoluter Gewissheit sagen, dass auch kommende Generationen in der Diskussion um die dilettantischste Schauspielerleistung aller Zeiten nicht um dieses Desaster epischen Ausmasses herumkommen werden. Denn wenn es je einen Film gegeben hat, der durch einen Schauspieler im Alleingang zerstört wurde, dann ist es dieses Remake des Patrick-Swayze-Kultfilms aus den Achtzigern. Für eine lange Zeit ist hier alles tipptopp in Ordnung, doch dann erscheint der irische Mixed-Martial-Arts-Superstar, Trump-Fan und verurteilte Vergewaltiger auf der Bildfläche, und ab da ist das trotz Jake Gyllenhaals vollem Einsatz nur noch eine einzige Peinlichkeit. Auch wenn McGregor gar nicht mal so viel Leinwandpräsenz zugestanden wird, ist sein Chargieren derart verstörend, dass es auch in Szenen überschwappt und nachhallt, in denen er dankenswerterweise gar nicht auftaucht. Das Erste, was man von ihm im Film sieht, ist übrigens sein blanker Hintern. Und wenigstens das passt dann doch wunderbar: Dieser Auftritt nämlich ist fürn Arsch.
 

 

 

Steve Martin in «The Pink Panther» (2006)


Dieses Remake war natürlich sowieso unnötig wie ein Kropf, und Kevin Kline als Dreyfus macht es auch nicht viel besser. Aber Steve Martin, der auch als Drehbuchautor für diese Kinoheiligenschändung verantwortlich zeichnet, parodiert hier Peter Sellers auf höchst respektlose Weise und degradiert dessen in alle Ewigkeit geliebten tapsigen Inspektor Clouseau zu einem Clown in Hochwasserhosen und Ringelsocken. Oh, und über den enorm nervtötenden französischen «Akzent» haben wir gar noch nicht geredet.
 

 

 

Ralph Fiennes in «Maid in Manhattan» (2003)

 
Er hat sich später dann ja ausreichend rehabilitiert, der immer so seriös dreinblickende Mister Fiennes. Aber was er damals an der Seite von Jennifer Lopez in dieser sagenhaft lauen Liebeskomödie zeigte, grenzte doch fast an Arbeitsverweigerung und machte überdeutlich klar, dass der staubtrockene Brite so ganz und gar nicht zum liebestollen Schmusetypen taugt. Es ist zwar unfein, sich selbst zu zitieren, aber dieser Auszug aus der Kritik aus diesem Haus fasst auch über 20 Jahre später noch ganz gut zusammen, was Fiennes hier zusammengewurstelt hat: «Sergio Leone sagte über Clint Eastwood einst sinngemäss, dass dieser bloss zwei mimische Ausdrucksformen habe: eine mit Hut und eine ohne. Schaut man Fiennes bei seinem Spiel zu, wünscht man sich bisweilen, er möge sich doch endlich wenigstens einen Hut kaufen.»
 

 

 

Gerard Butler und Jamie Foxx in «Law Abiding Citizens» (2009)


Weil das Tabu mit dem Sich-selbst-Zitieren jetzt eh schon gebrochen ist, hier gleich noch einer über die Performance des schottischen Kuschelrockers Gerard Butler in diesem mediokren Thrillerreisser als krimineller Mastermind im Stil von John Doe aus «Seven» oder Hannibal Lecter: «Recht ungünstig für den Film ist dabei vor allem, dass der alte Zinnsoldat Gerard Butler weder ein Kevin Spacey noch ein Anthony Hopkins ist, ja weder ein Cousin zweiten Grades des Schwippschwagers von Spaceys Nachbar oder Hopkins’ Frisör.» Und was seinen Gegenspieler Jamie Foxx anbelangt, so bleibt einfach festzuhalten, dass er nicht dazu geboren wurde, Staatsanwälte zu spielen.
 

 

 

Gerard Butler in «P.S. I Love You» (2007)


Zugegeben, er erscheint hier nur deshalb ein zweites Mal, damit wir diese Liste mit den schlechtesten irischen Akzenten nochmals hervorkramen können: Auf Platz 3 landete Butler in diesem Ranking nämlich. Immerhin hat er sich für sein phonologisches Stümpern in dieser missglückten Schmonzette bei ganz Irland entschuldigt – mehrfach sogar. Aber wenn wir schon dabei sind, dann möchten wir auch nicht unterschlagen, dass das Zusammenspiel von Butler und der für diese Art von Film ebenfalls gänzlich ungeeigneten Hilary Swank einfach nur grauslich ist. (P.S.: Für alle, die sich fragen, wer zwischen Tom Cruise und Gerard Butler auf Platz 2 in der Akzent-Liste gelandet ist: Es ist Mickey Rourke. Aber der wird hier nicht runtergeputzt, der ist nämlich einer unserer Lieblinge.)
 

 

 

Chris Rock in «Spiral» (2021)


An diesem Querschläger der «Saw»-Reihe war eigentlich alles schauderhaft. Aber der zappelige Blödelbarde Chris Rock in der Rolle eines von jedem Bullenklischee der Kinogeschichte zerfressenen Ermittlers ist dann doch die Wurzel allen Übels. Was er hier runterrattert, ist ein pausenloses Rumkeifen und Rumfuchteln, Anpflaumen und Anschnauzen, Fetzen und Triezen, das nicht nur sagenhaft nervös und nervtötend ist, sondern mangels schauspielerischen Vermögens allzu oft auch unfreiwillig komisch. Wie man auf so eine abenteuerliche, albtraumhafte Besetzung kommen kann? Na wenn man wie Rock hier auch als Produzent fungiert und dann ein bisschen übermütig wird.
 

 

 

Tom Hanks in «Elvis» (2022)


Huch, Tom Hanks. Majestätsbeleidigung? Dann bitte bei den Organisatoren der Goldenen Himbeere die Beschwerde einreichen. Die nämlich haben ihn für seine (wirklich miese) Darstellung des dubiosen Elvis-Managers Colonel Tom Park gleich doppelt «ausgezeichnet»: als schlechtesten Nebendarsteller und als Teil des schlechtesten Leinwandpaars für seine Darstellung zusammen mit seinem «latexüberzogenen Gesicht und lächerlichen Akzent».

 

 

 

Elizabeth Berkley in «Showgirls» (1995)


Ob eine andere Schauspielerin – zum Beispiel die damals noch unbekannte Charlize Theron, die für die Rolle vorgesprochen hatte – dieses legendäre Desaster hätte retten können, ist zwar fraglich. Aber was Berkley in dem beinahe softpornografischen «Basic Instinct»-Nachfolger des Regie-Drehbuch-Gespanns Paul Verhoeven/Joe Eszterhas zusammengestümpert hat, wurde einst hart, aber durchaus treffend als «gespielter Blondinenwitz» bezeichnet und beschädigte ihre damals noch junge Karriere nachhaltig.
 

 

 

Kris Kristofferson in «Rollover» (1981)

 

Hollywoods Bemühungen, aus dem kernigen Country-Sänger einen veritablen Filmstar zu machen, führten auf einige Ab- und Irrwege. In Alan J. Pakulas sehr langfädigem Verschwörungsthriller etwa spielt er einen genialen und manipulativen Finanzmanager, dem man in jeder Szene anmerkt, dass er Anzug und Krawatte einfach nur gegen Stiefel und Cowboyhut tauschen möchte. Aber gut, fast zwei Jahrzehnte später, als längst klar war, dass aus ihm kein Hollywood-Titan mehr werden würde, gab er dann in «Dance with Me» einen Tanzlehrer. Das war auch nicht wirklich glaubwürdiger und konnte man fast als Kapitulation verstehen.

 

 

 

Colin Firth in «Girl with a Pearl Earring» (2003)


Die Abgründe und Obsessionen des Malers Johannes Vermeer sollte der Brite hier sichtbar machen. Doch der unverbesserliche Stoiker entschied sich stattdessen für eine unterkühlte, steif-starre und vor allem eintönige Darstellung, die dem hübsch fotografierten Film beinahe den Garaus gemacht hätte.
 

 

 

Josh Hartnett in «The Black Dahlia» (2006)


Für die Rolle des boxenden Cops in Brian De Palmas Film-noir-Hommage war der Beau damals einerseits schlicht zu jung (und zu fesch). Andererseits war das auch überaus hölzern und leidenschaftsarm, was das schauspielerische Leichtgewicht da bot. Und entsprechend war es weder Zufall noch eine dieser unerklärlichen Hollywood-Gemeinheiten, dass es im Anschluss an diesen künstlerischen und kommerziellen Flop mit seiner so furios gestarteten Karriere ziemlich steil bergabging.
 

 

 

Tim Roth in «Grace of Monaco» (2014)


Der Film über das Leben von Grace Kelly im monegassischen Fürstenhaus wurde für vielerlei böse verrissen – und das nicht zu Unrecht. Was in all den Tiraden aber fast ein wenig unterging, war die monumentale Fehlbesetzung von Tim Roth als Fürst Rainier. Selbst wenn man beide Augen zudrückt und die physischen Unterschiede gänzlich ausser Acht lässt, so kann man doch nicht umhin, zu konstatieren, dass auch alles andere, was Roth hier macht, nicht im Allergeringsten an Seine Hoheit erinnert. Und auch ganz abgesehen davon, ist das eine schrecklich monotone und ungeheuer blasse Leistung, die der vermeintliche Charakterdarsteller hier abliefert.
 

 

 

Tim Roth in «The Hateful Eight» (2015)

 

Christoph Waltz war offenbar nicht verfügbar, um im dritten Tarantino-Film in Folge den eloquenten Show-Stibitzer zu mimen. Also griff der Regiemeister auf seine Allzweckwaffe Tim Roth zurück. Doch was der Engländer hier abliefert, ist lediglich eine wohlfeile Waltz-Imitation. Funfact: Auf seinen Co-Star Jennifer Jason Leigh sollte er zwölf Jahre später in David Lynchs «Twin Peaks»-Fortsetzung wieder treffen. Dort spielen die beiden ein mordlustiges Psychopathenpaar. Und nein, auch dabei glänzt Roth nicht wirklich.
 

 

 

Alec Baldwin in «The Juror» (1996)


Bevor Alec Baldwin cool (und simultan fülliger) wurde, war er ein recht austauschbarer Hollywood-Schönling, der in mehrheitlich unbedeutenden Filmen wenig Spektakuläres ablieferte. In diesem Allerweltsthriller aber spielte er gegen den Typ einen bedrohlichen Mafioso, der Demi Moore einschüchtern sollte. Seine Performance war freilich weniger zum Fürchten als vielmehr fürchterlich – der starre Blick und die Flüsterstimme liessen die Nackenhaare denn auch nicht aus Schauder, sondern aus Fremdscham zu Berge stehen.
 

 

 

Harrison Ford in «Morning Glory» (2010)


Das Verrückte an Harrison Ford ist ja nicht so sehr, dass er es ohne nennenswertes Charisma und allzu vereinnahmende schauspielerische Fertigkeiten zum Superstar gebracht hat – sondern dass diese Mängel in den allermeisten Fällen gar nicht mal so negativ ins Gewicht fielen. In dieser missglückten Arbeitsplatzkomödie von «Notting Hill»-Regisseur Roger Michell versucht er aber, sich in der Rolle eines grummeligen und arroganten Nachrichtenmoderators auf seine alten Tage hin als verkappter Komödiant zu profilieren – und scheitert prompt krachend. Wie war das noch mal mit dem Schuster und seinem Leisten?